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  • AutorenbildMathias Stricker

Die Volksschule muss gestärkt werden

«Gute Lehrkräfte sind nicht alles, doch ohne genügend gute Lehrkräfte ist alles nichts.» Diesem Zitat von Hans Fahrländer, Kolumnist des Schulblatts, bin ich vor rund drei Jahren begegnet. Seither wurde viel über die Situation an den Schulen geschrieben und debattiert. Aber was hat sich konkret getan, um unseren Beruf attraktiver zu machen? Schauen wir zurück auf die letzten Monate im Kanton Solothurn.

Die Bildungsverwaltung hat jetzt erkannt, dass bei der Volksschule Handlungsbedarf besteht und diese gestärkt werden muss. Das Volksschulamt, der Verband Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG), der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Solothurn (VSL SO) und der LSO beabsichtigen, in den nächsten Wochen eine Absichtserklärung zur Stärkung der Volksschule zu unterzeichnen. Gemeinsam soll ein Aktionsplan mit kurzfristigen und langfristigen Massnahmen erarbeitet werden. In diesen Aktionsplan sollen ebenfalls Optimierungsmassnahmen aus der Evaluation zur Speziellen Förderung einfliessen.

Wichtig ist, dass jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die Lohnerhöhung in Form eines eher unterdurchschnittlichen Teuerungsausgleichs, der, das ist uns bewusst, den Kantonsfinanzen geschuldet ist, ist ein Tropfen auf den heissen Stein!

Für uns Lehrerinnen und Lehrer sind Lohnfragen zwar wichtig, aber noch entscheidender sind die Arbeitsbedingungen im Klassenzimmer. So muss die ständig zunehmende Arbeit der Klassenlehrpersonen gewürdigt und honoriert werden – heute eine Klasse zu führen, ist vergleichbar mit dem Führen eines kleinen Unternehmens. Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler reicht die zur Verfügung stehende Entlastung von einer Lektion schlichtweg nicht mehr aus.Auch grosse Klassen brauchen Unterstützung. Unterricht mit über 20 Kindern und Jugendlichen ist oft nicht mehr zielführend. Zum einen ist das Unterrichten per se komplexer geworden – denken wir zum Beispiel an individualisierende und binnendifferenzierende Arrangements. Zum anderen kumuliert sich die Komplexität des Unterrichtens nicht nur proportional, wenn die durchschnittlichen Klassengrössen überschritten werden, sondern sie bringt diese des Öftern geradezu zum Explodieren. Ich denke an Fälle, in denen die Lehrpersonen mit massiven Verhaltensauffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern konfrontiert werden. Einige wenige Kinder und Jugendliche können uns überproportional fordern. Das macht, um einen weiteren Punkt zu erwähnen, Optimierungsmassnahmen bei der Speziellen Förderung nötig. Ich denke an die Ressourcenverteilung, die Förderstufe A, die Spezialangebote oder die schulinternen Spezialklassen wie etwa die Schulinseln. Die Spezielle Förderung muss sich nach dem Grundsatz «So viel Integration wie möglich, so viel Separation wie nötig» weiterentwickeln.

Gut ausgebildete, motivierte und gesunde Lehrerinnen und Lehrer sind Voraussetzung für eine gut funktionierende Schule. Der LSO hat neben den oben erwähnten Forderungen viele weitere Ideen, wie sich die Volksschule stärken liesse. Etwa indem man den administrativen Protokollierungs- und Dokumentationswahnsinn reduzierte. Klar scheint mir: Mit kosmetischen Massnahmen ist es nicht gemacht.


Schulblatt 2/23

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